Autor: Fabian Knispel
Datum: 29. – 30.04.2026
Kategorie: On Tour
Am 29. und 30. April 2026 besuchten einige unserer Mitglieder die legalXchange 2026 in der BMW Welt München. Sie wird als “Deutschlands neues Signature Event für die digitale Transformation des Rechtsmarkts” bezeichnet. Über 800 Teilnehmende aus Kanzleien, Unternehmen, Justiz, Wissenschaft, Verwaltung und der Legal-Tech-Szene kamen zusammen, um über die Zukunft juristischer Arbeit zu diskutieren, neue Technologien kennenzulernen und sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen.
In den zwei Tagen wurde deutlich, welchen Stellenwert das Thema Künstliche Intelligenz und insb. Agentic AI, digitale Transformation und Legal Operations in der juristischen Arbeit einnehmen. Zwischen Panels, Fachmesse und Workshops gab es für uns viel Input, Austauschmöglichkeiten und neue Impulse.
Chancen und Risiken von KI im Rechtsmarkt
Eröffnet wurde die Veranstaltung unter anderem durch Georg Eisenreich, Bayerischer Staatsminister der Justiz, der in seinem Vortrag Chancen und Risiken von Rechts-KI und Legal Tech beleuchtete. Besonders spannend war dabei die Frage, wie sich technologische Innovation und rechtsstaatliche Verantwortung miteinander vereinbaren lassen.
Immer wieder wurde während der zwei Tage deutlich, dass KI längst nicht mehr nur Zukunftsvision ist, sondern bereits heute die juristische Praxis verändert. Themen wie automatisierte Vertragsanalyse, KI-gestützte Recherche, digitale Workflows oder der verantwortungsvolle Einsatz großer Sprachmodelle standen im Mittelpunkt vieler Vorträge und Gespräche. Dabei wurde jedoch nicht nur über technische Möglichkeiten gesprochen, sondern auch über Fragen von Vertrauen, Datenschutz, Ethik und juristischer Verantwortung.
Besonders interessant fanden wir, dass viele Speaker betonten, dass technologische Kompetenz künftig kein „Zusatzwissen“ mehr sein wird, sondern zu den grundlegenden Fähigkeiten moderner Juristinnen und Juristen gehören dürfte. Damit rückte auch die Frage in den Fokus, wie sich juristische Ausbildung und Studium in Zukunft verändern müssen.
KI im Jurastudium und Berufsleben
Ein persönliches Highlight der legalXchange war für uns die Panel-Diskussion zum Thema „Lohnt sich das Jura-Studium noch?“. Besonders gefreut hat uns dabei, dass unser langjähriges Mitglied Max Volland als Panelist mitdiskutieren durfte.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie juristische Ausbildung auf die zunehmende Digitalisierung reagieren sollte. Diskutiert wurde unter anderem, welche Fähigkeiten zukünftige Juristinnen und Juristen benötigen, wie KI sinnvoll in Studium und Praxis eingesetzt werden kann und welche Verantwortung Universitäten und Ausbildungsinstitutionen dabei tragen.
Als Fazit stand am Ende fest, dass das Jura-Studium sicher eine Reform braucht. Was und wie Dinge geändert werden sollen, blieb jedoch offen. Bis dahin bleibt das Thema Legal Tech und entsprechendes Wissen wohl in der Eigenverantwortung der Studierenden.
Austausch mit Legal-Tech-Unternehmen
Neben den Panels und Vorträgen bot die Fachmesse zahlreiche Möglichkeiten, mit Legal-Tech-Unternehmen und Innovatoren ins Gespräch zu kommen. Besonders beeindruckt haben uns die neuen Entwicklungen und Präsentationen von LAWLIFT, BRYTER, PRIME LEGAL AI und JUNE.
Alle Anbieter zeigten auf unterschiedliche Weise, wie Large Language Models und KI-Systeme, und insb. KI-Agenten, künftig Teil der täglichen juristischen Arbeit werden können oder es teilweise schon sind. Dabei wurde deutlich, dass sich der Fokus zunehmend von einzelnen Tools hin zu integrierten Arbeitsprozessen verschiebt: KI soll nicht nur einzelne Aufgaben automatisieren, sondern die juristische Arbeit insgesamt effizienter, strukturierter und zugänglicher machen.
Besonders spannend war für uns der direkte Austausch mit den Teams vor Ort. Viele Gespräche drehten sich nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern auch um konkrete Anwendungsfälle in Kanzleien, Rechtsabteilungen und der Justiz. Dabei zeigte sich erneut, wie wichtig der Dialog zwischen Studierenden, Praxis und Technologieanbietern ist.
Umso mehr freuen wir uns, auch in Zukunft im Rahmen unserer LTOCs (Legal Tech Open Classrooms) mit den genannten Anbietern zusammenarbeiten zu dürfen und deren neue Ansätze und Entwicklungen gemeinsam mit Studierenden zu diskutieren und vorzustellen.
Unser Resümee
Neben dem fachlichen Programm war die legalXchange vor allem auch ein Ort der Begegnung. Während der zwei Tage konnten wir viele spannende Gespräche führen, neue Kontakte knüpfen und bekannte Gesichter aus der Legal-Tech-Community wiedersehen. Gerade Veranstaltungen wie die legalXchange zeigen, wie stark die Legal-Tech-Szene inzwischen von interdisziplinärem Austausch lebt. Studierende, Start-ups, Kanzleien, Unternehmen, Wissenschaft und Justiz kamen auf Augenhöhe zusammen und diskutierten gemeinsam über die Zukunft juristischer Arbeit.
Insgesamt hat die legalXchange 2026 eindrucksvoll gezeigt, wie dynamisch sich der Rechtsmarkt derzeit verändert. KI und Legal Tech sind längst keine Nischenthemen mehr, sondern entwickeln sich zunehmend zu zentralen Bestandteilen juristischer Praxis und Ausbildung.
Für uns waren die zwei Tage in München deshalb nicht nur fachlich spannend, sondern auch persönlich äußerst bereichernd. Wir nehmen viele neue Eindrücke, Ideen und Inspirationen mit – und freuen uns darauf, die gewonnenen Erkenntnisse in unsere zukünftigen Projekte, Veranstaltungen und LTOCs einfließen zu lassen.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Veranstaltern, Speakern, Unternehmen und Organisatoren, sowie unseren Mitgliedern, die uns vor Ort vertreten haben.
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