Autoren: Laureen Eidloth
Datum: 22.01.2026
Kategorie: Vorträge

„Digitale Rechtswelt! Veraltetes Jurastudium?“ unter diesem Motto fand am Donnerstag, den 22.01.2026 unsere erste Diskussionsrunde statt. Ein solches Projekt war schon lange unser Ziel und nun war es endlich soweit! 

Die Speaker

Unsere Gäste kamen aus ganz Deutschland und aus den unterschiedlichsten Bereichen der juristischen Tätigkeit mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Jurastudium. Mitdiskutiert haben Clemens Hufeld, Vice President Legal Data bei Noxtua, Kaya Milobara, Rechtsanwältin bei NORDEMANN, Guido Tiesel Ltd. MinRat LJPA München und Dr. Katharina Wunner, Akademische Rätin a.Z. am Lehrstuhl Zivilrecht VIII an unserer Universität Bayreuth. 

Der Auftakt der Debatte

Moderiert wurde das Gespräch von unserem Mitglied Maximilian Volland. Er leitete die Diskussion mit dem Fakt ein, dass unsere heute gültige Prüfungsordnung auf der Prüfungsordnung von Preußen von vor 120 Jahren basiert. Man könnte sagen, dann hat sie sich wohl bewährt (Tiesel), andere sehen großen Reformbedarf. In der Diskussionsrunde wollten wir herausfinden, welche neuen Herausforderungen und Chancen uns die digitale Rechtswelt bietet und ob das Jurastudium die Studenten auf die Rechtswelt sinnvoll vorbereitet bzw. wo es noch Verbesserungsbedarf und Optimierungsmöglichkeiten gibt.  

Beck.online etc. sind mittlerweile weit verbreitet, automatische Vertragserstellungstools bzw. KI Recherche Tools im juristischen Bereich deutlich weniger. Sie finden Einzug in viele Kanzleien, die neue Methoden testen und ihre Arbeitsweise umstellen. Auch die Justiz wird langsam, aber sicher digitalisiert. Und wie sieht es im Jurastudium aus? 

Es gibt Schwerpunktbereiche, die sich mit dem digitalen Recht auseinandersetzen oder auch die Vermittlung der §§ 327ff. BGB in einer Vorlesung beschäftigen sich mit digitalem Recht. Clemens Hufeld erklärt jedoch, dass aus seiner Sicht jedes Rechtsgebiet mittlerweile Digitalisierung beinhaltet und man diese Thematik nicht einzelnen Schwerpunktbereichen wie bspw. dem Urheberrecht zuordnen sollte, sondern es als wichtigen Bestandteil eines jeden Rechtsgebiets ansehen sollte. Deshalb sei das Know-How im Umgang mit der Digitalisierung des Rechts ein wichtiger Skill für jeden Juristen. 

Wie lässt sich das umsetzen?

Die Freiheit der Lehre ist ein ganz zentraler Aspekt, der es zwar einerseits schwer macht, vereinheitlicht Wissensvermittlung vorzuschreiben, es aber gleichzeitig auch ermöglicht, dass einzelne Professoren sehr hilfreiche Inhalte in diesem Bereich vermitteln bzw. zum Beispiel Seminare und Workshops anbieten. Allerdings führt die Freiheit der Lehre auf der anderen Seite auch zu einer Ungleichverteilung der Wissensvermittlung.  

Einige Universitäten in Bayern bieten Legal Tech Bachelorstudiengänge an und in Bayreuth gibt es die DigiZ. Hufeld kritisiert hier, dass es so wirkt, als sei es leichter einen ganz neuen Studiengang zu erschaffen als die Ausbildung bzw. die Prüfungsordnung im Jurastudium zu ändern. 

Viel diskutiert wurde auch über die Prüfungsform der Hausarbeit. Einige Universitäten haben zwischenzeitlich schon angekündigt, Hausarbeiten in Zukunft nicht mehr anzubieten. Als Argument dient hier hauptsächlich die Entwicklung der KI, die ganze Hausarbeiten selbst schreiben oder bei deren Erstellung erheblich unterstützen kann. 

Frau Milobara ist hingegen der Ansicht, dass es sehr sinvoll sei, Hausarbeiten zu schreiben, da dies dem Beruf des Anwalts in der Praxis als Prüfungsform am nächsten komme. Die Nutzung von beck.online etc. und KI ist auch in der Praxis üblich und Ziel sollte es sein, die KI so nutzen zu können, dass sie ein auch tatsächlich gutes Ergebnis liefere. Zwar könne KI den Rechercheprozess ggf. verschnellern, das Ergebnis bewerten und prüfen müsse man jedoch weiterhin selbst. Dies zeigen auch einige Vorfälle in jüngster Vergangenheit, bei denen Anwälte KI Schriftsätze mit erfundenen Entscheidungen versandten. Erst wenn nur noch perfekte Hausarbeiten abgegeben werden würden, wäre eine Reform dieser Prüfungsart sinnvoll, da dann die Abbildung eines Leistungsspektrums nicht mehr gewährleistet wäre.  

Auch Herr Thiesel ist der Ansicht, dass dies ein wichtiger Aspekt sei, der mit der Prüfungsform der Hausarbeit schon heute abgeprüft werden kann. Insbesondere bei Seminararbeiten, die oftmals anschließend mündlich vorgetragen werden sei die Gefahr gering, die KI alles machen zu lassen, weil der Prüfer im Vortrag merkt, ob sich der Prüfling tatsächlich selbst mit der Thematik auseinandergesetzt hat. 

Frau Dr. Wunner plädierte ebenfalls dafür, den Umgang mit den geänderten Anforderungen im Beruf bereits im Studium zu erlernen. Sie argumentiert, dass insbesondere das Referendariat die Zeit ist, in der man sich auf die Praxis vorbereitet. Dort dürfe man bereits Kommentare nutzen. Jedoch wäre es auch denkbar und ggf. sinnvoll, in einer Prüfung unter Beweis zu stellen mit der Fülle an Kommentaren, Aufsätzen und Querverweisen in z.B. beck-online zurecht zu kommen. Dies sei eine ganz andere Anforderung als sich an einem Kommentar zu bedienen und entspreche deutlich mehr der Realität in der Praxis. Dies müsse dann natürlich vorher im Studium auch vermittelt werden. Ein wichtiger Aspekt sei auch, zu lernen welchem System man vertrauen kann und wie man es sinnvoll in seine Recherche einbaut – z.B. welchen Prompt muss ich nutzen, um hilfreiche Ergebnisse zu erhalten? 

Herr Tiesel erinnerte hingegen an das Ziel des Jurastudiums, einen gut vorbereiteten und einarbeitungsfähigen Juristen zu schaffen. Er solle bereit gemacht werden für ein „Training on the Job“. Er ist der Ansicht, dass sich am Markt sowieso die KI-Tools durchsetzen werden, die leicht zu bedienen sind und keine extra Einweisung benötigen, so wie es auch bei Beck.online etc. der Fall ist. 

Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass viele bayerische Universitäten aus Eigeninitiative dieses Thema angehen. Auch studentische Initiativen wie b{u}ilt tragen hier zur Wissensvermittlung und zum Austausch bei. Solange eine verpflichtende Vermittlung der Thematik im Studium nicht zentral vorgegeben wird, können Studenten auf diese Angebote zurückgreifen, um sich individuell fortzubilden. 

Wir bedanken uns herzlich bei allen Referenten für die wertvolle und erkenntnisreiche Diskussionsrunde! 

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